Die Bezeichnung NLP
«Neurolinguistisches Programmieren» verleitet zur Annahme eines naiven
Weltbildes, in welchem der Mensch unbeschränkt manipulierbar und
programmierbar ist. Zum wiederholten Male haben daher die
deutschsprachigen Landesverbände des NLP ihre Tagung in Schladming diesem
Thema gewidmet und untersucht, wie die dem NLP innewohnende Ethik diesem
Irrtum begegnet.
Universitätsprofessor Franz Alberich Pesendorfer aus Graz, Präsident
des österreichischen Verbandes, legte in seinen Betrachtungen über Ethik
und Sprache die Grundlage für intensive Untersuchungen zum Thema während
den drei Pfingsttagen. Seine philosophischen Betrachtungen verdeutlichten,
dass der Begriff «Programm» im NLP stets einen Prozess bezeichnet. Der
Prozess spezifischer Verhaltensmuster ist auf komplexe Art und Weise mit
Sprachlichkeit gekoppelt. Pesendorfer erinnerte an die vornehmste Aufgabe
der Philosophie, Begriffe zu bestimmen, auf deren Hintergrund Handeln
möglich wird, denn «alle Philosophie geht auf die Voraussetzung dessen,
was ist», so Pesendorfer.
NLP für Pädagogen
Das deutsche Vorstandsmitglied Heinz Raab ergriff ganz im Sinne der
Tagung die Initiative zur Gründung eines Unterverbandes für NLP Pädagogen
und Erzieher. Dieser Verband wird auch interessierten Eltern offen stehen
und dazu beitragen, Konfliktlösungen auf ethischer Grundlage zu
unterstützen.
Der schweizerische Verbandspräsident H.K.J. Fritsche lud die
Gesellschaft von Experten zu einer praktischen Arbeit ein. Anhand eines
komplexen Textes von Friedrich Nietzsches Zarathustra wurden Worte auf
innewohnende Welten, Welten auf ihre Sprachlichkeit untersucht. Dies auch
im Sinne des Johannes-Evangeliums, welches da beginnt: «Am Anfang war das
Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort.» In einfachen
NLP-Übungen konnten die Teilnehmer erfahren, dass Worte als Metaphern
Weltbilder formen. So ist es z.B. ein Unterschied, ob ein Seil oder eine
Brücke über den Abgrund führt. Ersteres macht es nur einzelnen
hintereinander möglich, hinüber zu gelangen, während eine Brücke auch
gemeinsam begangen werden kann. Im Text von Nietzsche ein deutlicher
Verweis auf den Unterschied von Hierarchien und Gemeinschaft.
Homo Ludens, der Mensch der Zukunft
Eine weitere Metapher aus dem Zarathustra verweist auf die
Menschenentwicklung: Vom sich beladenden Kamel zum kraftvollen Löwen und
endlich zu dem Kinde, welches um des Spieles willen spielt. Dieser
Zukunftsentwurf kann sich im modernen Menschen der
Informationsgesellschaft verwirklichen. Wissen als Spiel und Leben
zugleich, im Sinne des Homo Ludens, wie er schon von Heraklit beschrieben
wird und der als Dionysos hinter dem Werke Nietzsches sichtbar wird.
Schweizer NLP Verband mit Sitz in Liechtenstein
Auf solch spielerische Art und Weise schloss die Tagung mit ernsten
neuen Erfahrungen und Erkenntnissen. Das schweizerische Ehrenmitglied
Matthias Schwalbe, Mathematiker und Linguist, bewies den spielerischen
Umgang mit schwerer Philosophie auf seine Art: Am Klavier spielte er
Kompositionen von Friedrich Nietzsche. Matthias Schwalbe wird nun auch
vermehrt an den NLP-Kursen des bzb in Buchs mitwirken. Da der Sitz des
Schweizerischen NLP-Verbandes sich in Liechtenstein befindet, wird
turnusgemäss das Dreiländer-Treffen der NLP-Vorstände mit seinen
Ethik-Gesprächen nächstes Jahr bei uns in Liechtenstein stattfinden. Es
wurde beschlossen, in Anbetracht des umfassenden Themas, die Tagung in
Liechtenstein auch einem erweiterten Publikum zugänglich zu machen.
(hkj)